Die Evolution der Windel
Könnt ihr euch noch an die schönen Zeiten erinnern, als das kleine Ding – das Baby – vor euch lag und die Windel zu wechseln kein Problem war. Auch an dem Moment als er/sie sich anfing zu drehen und ihr euch dachtet, OHHHH MEIN GOTT ich bekomme die Windel nicht rauf?! Jaja die guten alten Zeiten. Aktuell befinde ich mich in der Phase, er krabbelt vor mir und der Windel davon und lacht so herzhaft wie nur ein Kind es kann.
Eine kurze Geschichte der Windel
Bevor ich euch meinen ganz persönlichen Windel-Werdegang erzähle, ein kurzer Blick zurück: Wie kam die Windel eigentlich dahin, wo sie heute ist?
Die Wegwerfwindel, wie wir sie kennen, gibt es noch gar nicht so lange. Die eigentliche Vorreiterin war die Amerikanerin Marion Donovan: 1949 nähte sie aus einem Duschvorhang die erste wasserdichte Überhose fürs Baby, den sogenannten „Boater". Die Idee kam gut an – für eine echte Wegwerfwindel aus saugfähigem Papier fand sie aber keinen Hersteller, der daran glauben wollte.
Zehn Jahre später hatte ein anderer dieselbe Idee, nur mit mehr Einfluss: Victor Mills, Chemieingenieur bei Procter & Gamble und selbst genervter Großvater, der die nassen Stoffwindeln seiner Enkel satt hatte. 1961 kam seine Entwicklung unter dem Namen Pampers auf den US-Markt. Nach Deutschland schaffte es die Windel erst 1973, mit einer eigenen Fabrik in Euskirchen.
Was danach folgte, war eine jahrzehntelange Aufrüstung: elastische Beinbündchen, wiederverschließbare Klebestreifen und 1987 die Superabsorber-Polymere, die ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufsaugen können. Und irgendwann kam die Pull-up-Windel dazu – zum Reinsteigen wie eine Unterhose.
Kurz gesagt: Es brauchte über 70 Jahre Forschung und Entwicklung, nur damit ich diese Woche zum ersten Mal eine Windel im Stehen anziehen konnte, mich darüber so sehr freute, dass ich euch „sofort“ davon erzählen musste.
Der Werdegang der Windel
Wenn ich ehrlich bin, könnte ich mittlerweile eine ganze Zeitachse davon zeichnen – den Werdegang der Windel, sozusagen. Eine kleine Chronik des ewigen Duells zwischen Papa und diesem unschuldig aussehenden Stück Stoff.
Level 1 – Das Neugeborenen-Paradies Ganz am Anfang war die Welt noch in Ordnung. Ein kleines, wehrloses Wesen lag da und protestierte höchstens mal empört, wenn das Feuchttuch zu kalt war. Windel auf, Windel zu, fertig. Ich war der uneingeschränkte Herrscher über den Wickeltisch. Auch in der Nacht, es war möglich das Kind zu wickeln ohne es zu wecken. Naiv, wie ich war, dachte ich: „Das wird entspannt."
Level 2 – Die Dreh-Rebellion Dann kam der Tag, an dem sich zum ersten Mal etwas drehte, während ich mit einer Hand die frische Windel und mit der anderen ein strampelndes Bein festhielt. Plötzlich hatte ich es nicht mehr mit einem Baby zu tun, sondern mit einer Flunder auf der Flucht. Jeder Wickelvorgang wurde zur Millisekunden-Operation: schnell greifen, bevor er sich zum x-ten Mal auf den Bauch wirft und triumphierend in den Wickeltischunterlagen lacht.
Level 3 – Die Krabbel-Flucht (Boss-Level, aktuell aktiv) Und jetzt also: Krabbeln. Er sieht die offene Windel, erkennt seine Chance und ist weg, bevor ich überhaupt „Nein, warte" oder einfach nur „Nei...“ sagen kann. Ich hinterher, auf allen vieren, mit einer Windel in der einen und Feuchttüchern in der anderen Hand, während er johlend durchs Wohnzimmer flitzt, als wäre das hier „Nachlaufen“ und ich der lahme Endgegner.
Der Game-Changer: Pampers Pants Und dann, diese Woche, die Erlösung. Pampers Pants. Man zieht sie einfach an – im Stehen! Kein Hinlegen mehr. Keine stundenlangen Verhandlungen. Kein Buch, das ich wie ein Bänkelsänger vortrage, während ich mit der freien Hand die Windel unter einem sich windenden Kind hin- und herschiebe. Keine Zirkusnummern mehr, um ihn für zehn Sekunden so ruhigzustellen, als wäre er in einem Schraubstock gefangen. Er steht. Ich ziehe hoch. Fertig. Ich könnte vor Glück heulen.
Natürlich weiß ich: Das ist nur ein Etappensieg. Der Endgegner wartet schon auf mich.
Der Tag, den ich fürchte
Zum Schluss muss ich sagen, ich habe wirklich Angst vor dem Tag wenn er laufen kann. Nicht weil es anstrengender wird oder er was anstellen könnte wenn ich nicht gleich hinterherlaufe, nein weil ich weiß dass ich endgültig den Kampf Kind vs. Windel x Papa verloren haben.
Mit dieser Erkenntnis wünsche ich euch viel Spaß und Freude im Elternsein. :)